#iPhone5 – my 2 cents

Apple hat 2007 mit der Einführung des iPhones den Markt für Smartphones revolutioniert. Die sperrig zu nutzenden Windows Mobile oder Symbian Geräte von damals vermochten dem Nutzer nicht wirklich zu zeigen, was das Wort “User Experience” bedeuten kann. Das iPhone 3G hat dann mit UMTS, MMS und dem AppStore den Markt komplett aufgerollt. Die anderen Hersteller hatten lange echte Probleme hinterher zu kommen.

Diese Innovationskraft hat mit den weiteren Iterationen und dem Massenmarkt deutlich nachgelassen. Seit 2 Geräte-Generationen hechelt Apple den anderen Herstellern – in erster Linie den Android-basierten Geräten – hinterher. Zumindest was den Funktionsumfang betrifft. In Sachen Stabilität einzelner Funktionen und die Einfachheit in der Bedienung macht iOS Android noch was vor. In Sachen Integration, Ecosystem und Market hinkte Android auch hier lange hinterher. Auch das ändert sich langsam.

Gestern Abend verfolgte ich den Liveticker von @caschy von der Apple Keynote zum iPhone5. Nach den ganzen Leaks hatte ich gehofft, dass noch irgendein Knaller käme.

Leider scheint Apple seine Innovationskraft verloren zu haben. Im Großen und Ganzen finde ich nichts spezielles am iPhone5. Ich denke es wird sich verkaufen wie geschnitten Brot. Ob es wieder lange Schlangen vorm Apple-Store gibt, wage ich dieses mal allerdings zu bezweifeln.

Besonders spannend finde ich, dass Apple sich mit dem iPhone5 von 3 Argumenten verabschiedet, die ich immer wieder von iPhone Usern hörte:

  1. 3,5” sei die beste Display-Größe (vgl. 12)
    Ich denke, dass das 2007 durchaus stimmte. Aber die Nutzer haben sich inzwischen an größere Displays gewöhnt. Größere Displays sind zwar mit einer Hand schwer zu bedienen, stellen aber deutlich mehr Informationen auf einem Screen dar. Auch ich habe nach jedem neuen Galaxy (S, S2, S3, Note) gesagt, dass jetzt aber endlich die maximale Größe erreicht ist. Allerdings musste ich auch feststellen, dass das eine absolut individuelle Aussage ist. Für mich persönlich ist 4,8” vom Galaxy S3 absolut perfekt. Dafür kenne ich einige Galaxy Note Nutzer, die gar nicht mehr mit kleineren Geräten umgehen können.
    Wenn man die Benutzung mit einem Daumen zu Grunde legt, hat Apple sicherlich recht, das Display nicht breiter zu machen. Ich kenne allerdings sehr viele Leute (auch iPhone User), die eh das Smartphone mit 2 Händen benutzen. Das Argument zog aus meiner Sicht noch nie. Jetzt ist Apple also selbst davon abgerückt und versucht das alte Argument nicht so ganz zu verleugnen.
    Apple vergrößert nun also das Display. Verlängert es aber nur. Nach meinem Geschmack sieht das iPhone5 von vorn jetzt aus wie ein iPhone 4S, das auf der Streckbank war.
  2. Die Maße
    Als ich mein Galaxy S2 bekam und es iPhone Usern zeigte, war es allen zu leicht. Der Satz: “Boah is das leicht. Ich will doch was in der Hand haben.” war einer den ich am häufigsten hörte. Ich bin gespannt, wie die iPhone-Nutzer von damals jetzt argumentieren. Das iPhone5 ist jetzt 4 Gramm leichter als das Galaxy S2. Und ganze 21 Gramm leichter als das Galaxy S3.
    Von vielen iPhone Usern hörte ich außerdem, dass ihnen das S2 zu dünn wäre. Sie hätten Angst, dass es ihnen zerbräche. Jetzt, da das iPhone5 mit 7,6mm sogar noch dünner als das Galaxy S3 (8,6mm, vgl.mobilegeeks) und als das Galaxy S2 (8,5mm) ist, fällt auch dieses Argument für das iPhone weg.
  3. Der Connector
    Die vielen Geräte, die mit bereits integriertem Dock-Connector kamen, waren ein weiteres Argument pro iPhone. Auch das hat sich jetzt erledigt. User konnten einfach vom iPhone 3 bis zum 4S durch tauschen, da die Geräte, die sie für viel Geld zu hause stehen hatten, weiterhin genutzt werden können. Jetzt gibt es zwar einen Adapter. Aber mal ehrlich. Der Connector hatte den großen Vorteil, dass es einfach funktionierte. Der Adapter ist doch Gefummel. Kein Mensch möchte Adaptoren nutzen.
    Dass Apple hier nicht auf den Micro-USB Anschluss gesetzt hat, könnte sich noch als Boomerang erweisen. Es wird abzuwarten sein, ob die Hersteller von Zubehör noch auf den Zug aufspringen. Bei dem massiv steigenden Marktanteil von Android Geräten mit Micro-USB Anschluss, könnte ich mir vorstellen, dass es deutlich weniger Geräte mit Dock-Connector für das iPhone5 gibt, als es jetzt bereits gibt. Besonders im Low-Price-Sektor könnte ich mir vorstellen, dass nicht mehr jeder Hersteller einen Dock-Connector in seine Geräte einpflanzt. Da hilft auch der schnittige Name “Lightning” nicht…

Auch die vorgestellten Features wie Facetime over Cellular, Panorama-Shot der Kamera, 720p Frontkamera, Facedetection in der Kamera, Football Ergebnisse in Siri sind alle eher langweilig. Das können viele Android Geräte bereits seit mehr als einem Jahr. Man hechelt also wieder der Konkurrenz hinterher.

Es gibt nur einen Bereich, in dem Apple noch absolut führend ist: Verfügbarkeit. Dass die Geräte bereits 9 Tage nach der Keynote in den Läden stehen und das Update von iOS bereits 7 Tage nach Ankündigung auch auf alte Geräte gespielt wird ist ein absolut gravierender Vorteil. Sicherlich hat Apple es hier deutlich einfacher, als die Android-Hersteller. Apple hat die gesamte Produkt-Kette inhouse. Also alles von der Hardware bis zur Software. Bei Android muss Google eine Version freigeben, dann können die Hersteller customizen und danach muss Google diese Version erneut freigeben. Das ist bei jedem einzelnen Update so. Aber das ist eine andere Geschichte.

Just my 2 cents.

Nachtrag 2012-09-13 21:14:

Wenn das stimmt, was BGR schreibt (was ja eher eine Chance von 50:50 ist), dann wird es ziemlich wenig Umsteiger geben:

The Cupertino-based company did not mention that the adapter does not support “video and iPod Out” functionality, however, meaning old speakers such as the iHome will not work with the iPhone 5. While some speakers will still be able to play music with an auxiliary jack, most high-end speaker docks will be rendered useless.